MEIN HASSBUCH
Es gibt viele Bücher, die ich nicht mag, weil sie mich gelangweilt haben oder meiner Ansicht nach schlecht geschrieben waren oder einfach dumm sind.
Aber es gibt nur ein Buch, das ich wirklich und von ganzem Herzen hasse. Es ist der berühmt-berüchtigte "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann (1809 - 1894), und die anhaltende Beliebtheit dieses Machwerkes ist das deutlichste Zeichen der Kinderfeindlichkeit in diesem unseren Land.
Eltern, die ihr Kind mit dem Struwwelpeter konfrontieren, müssen ihre Kinder wirklich verabscheuen, ansonsten würden sie ihnen derartiges nicht antun. Vielleicht tun sie es aus Rache dafür, daß sie selbst diese Folter durchstehen mußten und denken sich: Warum sollten es ihre Kinder besser haben?
Wer wissen will, was Schwarze Pädagogik ist, der soll sich dieses Schandwerk anschauen.
Andere Sachen von diesem Kaliber werden heute als jugendgefährdend indiziert. Nicht aber dieses furchtbare Werk mit seinen mehr als häßlichen, häßlichen Zeichnungen und seinen Geschichten, die man nicht anders als abartig und pervers bezeichnen kann.
In jeder Geschichte geht es darum, daß ein Kind für ein Fehlverhalten mit dem Leben oder der köprerlichen Unversehrtheit bezahlen muß.
Was soll das?
Damit treibt man Kinder in die Depression und mitunter sogar in den Freitod.
Dieses Buch ist gefährlich.
Es hat mehr Kinderseelen auf dem Gewissen als alle Killerspiele dieser Welt zusammen.
Für mich als Kind war dieses Buch ein Trauma. Schlimmer war nur die Episode, in der mich als Dreijährige meine Mutter auf dem Dorffriedhof vergessen hatte.
Ich hatte danach furchtbare Alpträume.
In den meisten davon mußte ich bei lebendigem Leib verbrennen - wie die kleine Pauline aus der "Gar traurigen Geschichte mit den Zündhölzern". Und ich war ungefähr fünf, als ich die Geschichten zum ersten Mal ertragen mußte.
Bis dahin war ich ein fröhliches Kind gewesen. Danach war ich nie wieder die selbe.
Die Geschichte dieses Buches ist interessant. Der Verfasser Hoffmann hat dieses Buch FÜR SEINE KINDER gemacht. Als Geschenk zum Geburtstag oder zu Weihnachten.
Daran zeigen sich zwei Dinge:
(1) Dieser Mann war zu geizig, seinen Kindern ordentliche Geschenke zu kaufen.
(2) Dieser Mann hat nichts auf der Welt so sehr gehaßt wie seine Kinder.
Der Mann war Psychiater. Vielleicht erklärt das einiges. Aber es entschuldigt nichts.
Wie die Kinder darauf reagiert haben, darüber schweigt die Geschichte. Vermutlich waren sie "begeistert" (Achtung, Sarkasmus!).
Zwei Dinge wünsche ich mir.
Zum ersten würde ich gern einmal von ein paar anderen Kindern, und solchen, die es waren, wissen, welche schrecklichen Erfahrungen sie mit dem Struwwelpeter gemacht haben.
Zum zweiten würde ich gern von euch, liebe Eltern, wissen: Welcher Teufel reitet euch immer wieder, euren Kindern dieses furchtbare Buch in die Hände zu geben! Wißt ihr, was ihr ihnen damit antut? Man erzieht Kinder nicht, indem man ihnen die Todesfurcht einpflanzt und ihre Seelen foltert.
Ehrlich, ich bin ein erklärter Feind jeglicher Art von Zensur. Ich bin eine erklärte Feindin von jeder Art von Bücherverbrennung.
Aber wenn es ein Buch verdient hat, der Flammen und der Vergessenheit zu werden, dann ist es der "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann. Es wäre besser für uns, unsere Kinder und unsere Zukunft.