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Samstag, 2. Januar 2010

ZUM NEUEN JAHR

Ich wünsche allen meinen Freunden und Lesern viel Glück, Erfolg, Liebe, Gesundheit, Zufriedenheit und Wohlergehen für das Neue Jahr 2010.

Erlaubt es mir, meine Grüße mit den Worten der Großen Hilde Domin abzuschließen!

Semper Fidelis,
Ilka Lohmann

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BITTE
von
Hilde Domin

Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen
wir werden durchnäßt
bis auf die Herzhaut

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht
der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten
taugt nicht

Es taugt die Bitte
daß bei Sonnenaufgang die taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
Daß die Frucht so bunt wie die Blüte sei
daß noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden

Und daß wir aus der Flut
daß wir aus der Löwengrube
und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.

Quelle: Hilde Domin (2009) Sämtliche Gedichte (Herausgegeben vonNikola Herweg und Melanie Reinhold, mit einem Nachwort von Ruth Klüger) S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Sonntag, 29. November 2009

Zum 109. Todestag von OSCAR WILDE (1854 bis 1900)

REQUIESCAT
by

Oscar Wilde

Tread lightly, she is near
Under the snow,
Speak gently, she can hear
The daises grow.

All her bright golden hair
Tarnished with rust
She that was young and fair
Fallen to dust.

Lily-like, white as snow,
She hardly knew
She was a woman, so
Sweetly she grew.

Coffin-board, heavy stone,
Lie on her breast;
I vex my heart alone,
She is at rest.

Peace, peace; she cannot hear
Lyre or sonnet;
All my life's buried here,
Heap earth upon it.




Dienstag, 10. November 2009

DIE WORTE DES GLAUBENS (von Friedrich Schiller)

Friedrich Schiller (1759 bis 1805) zum 250. Geburtstag




Drei Worte nenn' ich euch, inhaltschwer,
Sie gehen von Munde zu Munde,
Doch stammen sie nicht von außen her;
Das Herz nur gibt davon Kunde.
Dem Menschen ist aller Werth geraubt,
Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
Und würd' er in Ketten geboren,
Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
Nicht den Mißbrauch rasender Thoren!
Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
Vor dem freien Menschen erzittert nicht!

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,
Der Mensch kann sie üben im Leben,
Und sollt' er auch straucheln überall,
Er kann nach der göttlichen streben,
Und was kein Verstand der Verständigen sieht,
Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth.

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,
Wie auch der menschliche wanke;
Hoch über der Zeit und dem Raume webt
Lebendig der höchste Gedanke,
Und ob Alles in ewigem Wechsel kreist,
Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

Die drei Worte bewahret euch, inhaltschwer,
Sie pflanzet von Munde zu Munde,
Und stammen sie gleich nicht von außen her,
Euer Innres gibt davon Kunde.
Dem Menschen ist nimmer sein Werth geraubt,
So lang er noch an die drei Worte glaubt.