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Freitag, 3. Februar 2012

Manchmal denk ich...

Manchmal denk ich, als Atheist hätte ich es leichter.
Aber das ist so ein Gedanke wie "Als Bankkauffrau würde ich mehr Geld verdienen" oder "Als Ärztin würde ich immer eine Arbeitsstelle finden" oder "Als Mann wäre ich wahrscheinlich schwul" oder "Im Mittelalter wäre ich gern ein Kreuzritter gewesen." Einer dieser Gedanken eben, die man manchmal so hat. Wenn man durchspielt, welche anderen Wege das Leben hätte nehmen können.
Aber wenn man es recht bedenkt: Aus mir würde niemals eine Bankkauffrau werden, dafür fehlt mir der Sinn für Zahlen, Renditen und ähnliche Dinge. Und so lobenswert es auch sein mag, BWL zu studieren, es wäre meine Sache nicht. Medizin hatte ich damals tatsächlich erwogen, mich aber letztlich dagegen entschieden. Ich halte mich aus persönlichen Gründen ungern in Krankenhäusern auf, verzichte jetzt aber drauf, mich in Einzelheiten zu ergehen. Wir spielen Dinge eben gern mal im Kopf durch. Das ist Phantasie. Es ist uns Menschen gegeben, Vorstellungen von Dingen, die nicht existent sind, zu haben. Sei es nun von dem Leben als Chirurg oder als Kreuzritter oder Geschichtswissenschaftler im 21. Jahrhundert.
Auf die gleiche Weise stelle ich mir manchmal vor, Atheist zu sein. Mit dieser Vorstellung geht einher, daß ich viele Schwierigkeiten in meinem Leben nicht hätte. Aber, und das ist der Punkt, als Atheist hätte ich eben andere. Denn Schwierigkeiten hat man immer. Eine alte Weisheit.
Auch als Bankkauffrau oder als Jurist oder gar als Mann hätte ich viele Schwierigkeiten nicht, die ich habe.
Aber ich bin nun einmal keine Bankkauffrau, keine Juristin, kein Mann, kein Chirurg, kein mittelalterlicher Kreuzritter - und eben auch keine Atheistin.
Ich hatte in meinem Leben immer wieder die Möglichkeit, meinen Glauben zu verlieren oder einfach ad acta zu legen und mich nicht mehr damit zu befassen. Manchmal habe ich diese Möglichkeiten bedacht, manchmal ignoriert, aber niemals wahr genommen.
Ich bin nun einmal eine Christin - römisch-katholischer Prägung aus eigener Entscheidung. Ich kann mir vorstellen, jemand anders zu sein. Aber am Ende ich bin ich. So wie jeder andere er selbst ist - als Gläubiger oder Atheist, als Chirurg oder Bankkauffrau, als Schriftsteller oder als Astronaut, als Tankwart oder Astrophysiker.
Und weil wir das sind, was wir sind - als Folge unserer Persönlichkeit, unserer Geschichte, unserer Neigungen, unserer Erziehung, der Welt, in der wir aufgewachsen sind - sollen wir jeden eben das sein lassen, was er ist, weil er es nicht ohne Grund ist.
Manchmal denke ich, als Atheist hätte ich es leichter. Aber dann entdecke ich, daß das nicht stimmt. Es wäre einfach nur ein anderes Leben, das ich führen würde. Nicht leichter oder schwerer als mein eigenes.
Und wenn es mit freundlichen Augen betrachtet, ist es in Ordnung, so wie es ist. 


Samstag, 2. Januar 2010

ZUM NEUEN JAHR

Ich wünsche allen meinen Freunden und Lesern viel Glück, Erfolg, Liebe, Gesundheit, Zufriedenheit und Wohlergehen für das Neue Jahr 2010.

Erlaubt es mir, meine Grüße mit den Worten der Großen Hilde Domin abzuschließen!

Semper Fidelis,
Ilka Lohmann

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BITTE
von
Hilde Domin

Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen
wir werden durchnäßt
bis auf die Herzhaut

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht
der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten
taugt nicht

Es taugt die Bitte
daß bei Sonnenaufgang die taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
Daß die Frucht so bunt wie die Blüte sei
daß noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden

Und daß wir aus der Flut
daß wir aus der Löwengrube
und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.

Quelle: Hilde Domin (2009) Sämtliche Gedichte (Herausgegeben vonNikola Herweg und Melanie Reinhold, mit einem Nachwort von Ruth Klüger) S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Samstag, 26. Dezember 2009

Dieser Blog schläft nicht ein

Liebe Freunde und Leser!
Nein, ich werde diesen Blog nicht einschlafen lassen. Ich muß ihn nur leider ein wenig ruhen lassen, weil die Zeiten nicht leicht werden.
Aber ich werde nicht aufgeben.

Wie ich geschrieben habe: Weit und weiter über den Asphalt der Seele gehen.
Auch wenn der Weg manchmal länger wird und steiniger, als man es erhofft.

Hilde Domin schreibt: Der Wunsch, verschont zu bleiben, taugt nicht.
Es taugt nur, und das sage ich, der Wille, es zu überstehen und zu lernen und weiser zu werden und reicher an Erfahrung.

Denkt an mich, so wie ich an euch denke - an die von euch, die ich kenne, und an die, die ich nicht kenne, denn Fremde sind manchmal nichts anderes als Freunde, denen man noch nicht begegnet ist.

Liebe Grüße,
Eure Ilka!