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Mittwoch, 20. Mai 2015

DAS PHILOSOPHISCHE KROKODIL

Eine Mutter badete mit ihrem Kind im Nil. Da kam ein Nil-Krokodil vorbei, packte das Kind und sagte zu der Mutter: " Wenn du vorhersagen kannst, was ich tun werde, verschone ich dein Kind, ansonsten werde ich es fressen."
Da erwiderte die Mutter: "Du wirst mein Kind fressen."
"Ja", schrie da das Krokodil. "Ja, ich werde dein Kind fressen, und deshalb werde ich es verschonen. Aber wenn ich es verschone, muss ich es fressen. Wenn ich es aber fresse, muss ich es verschonen. So ein Mist! Immer wieder herheddere ich mich in logischen Paradoxien. Ich habe die Schnauze voll davon!"
Es fraß das Kind und die Mutter und schwamm davon und legte sich in die Sonne, um in Ruhe zu verdauen.

Dienstag, 19. Mai 2015

DIE LEGENDE VOM KNURRHAHN UND DEM WANDERER

ein co-operativ entstandenes Poem von Ilka Lohmann und Ireen Illmer
[geschrieben zu Apolda, am 18. Mai 2015, im Jahre des Herrn 2015]

Der Knurrhan sitzt im Unterholz -
sein Auge rot, sein Herz voll Stolz.
Er lauert auf den Wandersmann,
damit er den verspeisen kann.

Der Wandersmann, voll Freud und Lust,
zieht durch den Wald mit froher Brust.
Er singt ein Liedlein vor sich her,
sein Herz ist leicht, sein Sinn ist leer.

Der Knurrhahn sieht den Wand'rer nah'n,
und schmelzend tropft sein Kuchenzahn.
Vor Gier sind die Pupillen weit.
Der Knurrhan lugt - zum Sprung bereit.

Der Wand'rer schreitet froh voran.
Da! springt der Knurrhahn aus dem Tann
und beißt den Wand'rer in sein Bein,
und dieser fängt laut an zu schrei'n.

Dem Sturzbach gleich, in breiter Flut,
quillt auf den Weg des Wand'rers Blut.
Sein Schrei verstummt, sein Lied vergellt...
Der Wand'rer scheidet aus der Welt.

Der Knurrhahn zehrt noch sieben Wochen
von des Wand'rers morschen Knochen.