Freitag, 23. November 2012

PROFESSOR FÜNDERICH

Anmerkung:
Hin und wieder suche ich meine Festplatte durch, und dann stoße ich gelegentlich auf einen Text wie diesen hier.
Ich denke, er entstand irgendwann im Jahre 2010. Es ging, meine ich mich zu erinnern, dabei nur darum, etwas zu schreiben, das mich aufheiterte.
Ja, der Text legt Zeugnis ab von einem doch recht fragwürdigen Humor.



Der Herr Professor Füderich,
der war ein arger Wüterich.
Der steckte Fräulein Heidelgund
ein Stück Plutonium in den Mund.
Und seinen Bruder Adular,
den fraß er auf mit Haut und Haar.
Und seine Katze Isabelle
würgt’ er auf seines Hauses Schwelle.
Hund Bertram hat auch nichts zu lachen,
der muß täglich den Affen machen.
Auch Oberförster Hansemann
hat er ein schweres Leid getan,
als er ihn wohl im Mittagsschlaf
mit einem Stein am Schädel traf.
Dem Bürgermeister Brümmelschwein,
dem fraß er an das rechte Bein,
und Oberschwester Lilofee
fehlt seinetwegen auch ein Zeh.
Nur seine Schwester blieb verschont,
weil sie seit Jahr’n im Westen wohnt.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

DENN DU KENNST DEN TAG

von Ilka Lohmann
Rezension zu: „ENDTAG: Wenn jeder weiß, wann er stirbt – Ein Szenario“ von Ivo W. Greiter
erschienen bei TYROLIA-VERLAG Innsbruck, Wien, 2012
ISBN: 978-3-7022-3204-7, Preis 17,95 Euro


„Der Tod ist gewiss, ungewiss seine Stunde“, weiß der Volksmund zu berichten. Der Tod ist es, der dem Leben Sinn gibt. Weil aber keiner von uns weiß, wann es soweit ist, hängt er wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen.

Wie wäre es nun, wenn wir wüßten, WANN wir sterben? Würde das dem Tod seinen Schrecken nehmen?
Ja, meint Ivo W. Greiter in seinem Buch – er nennt es ein Szenario - „Endtag“. Es beginnt ein wenig wie Science Fiction. Die Wissenschaft hat herausgefunden, wie man – mittels eines einfachen Bluttests – die Lebensspanne bestimmen kann, die einem Menschen zugemessen ist. Was zunächst eine Option ist, wird zunächst in Österreich – der Autor ist Österreicher – und später in der ganzen Europäischen Union Gesetz. Obligatorisch wird nun bei jedem Neugeborenen nach der Geburt – intra-uterin ist dies nicht möglich – dessen Lebenskapazität bestimmt. Mit weitreichenden Folgen für die Gesellschaft.
Nun beginnt Greiter zu mutmaßen. In vielen Episoden berichtet er von Menschen, die aus dem Leben das Beste machte, die ihre Angelegen rechtzeitig regeln oder noch mal kurz vor Schluß ein Verbrechen begehen. Lange und kurze Lebensspannen prallen auf einander. Menschen, die nur 30 werden, finden keine Partner mehr. Alle Fragen werden gestellt: Wie sieht es aus mit der Altersversorgung? Was ist mit der beruflichen Beförderung von Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben? Wie sieht es aus mit Kandidaten für politische Ämter? ….

Der Autor vermittelt den Eindruck, als würde erst die Gewißheit der Todesstunde das Leben wirklich bedeutsam machen. Er will uns sagen, wir – die wir nicht wissen, wann wir sterben werden – lebten in den Tag hinein, würden unsere Zeit nicht nutzen, würden unser Leben vergeuden, weil wir nur daran denken würden, daß wir noch unendlich viel Zeit hätten und vielleicht unsterblich wären.
Die fiktiven Menschen in seinem Buch aber sind ganz anders. Sie sind abgeklärt, zufrieden. Sie finden sich auch mit einem kurzen Leben ab und sterben friedlich und beglückt im Kreis ihrer Freunde und ihrer Familie.

Die Idee hinter diesem Buch mag sehr interessant sein, aber das, was Herr Greiter daraus gemacht hat, ist sehr fragwürdig.
Nicht die Gewißheit der Todesstunde macht das Leben wertvoll, sondern ihre Ungewißheit. Es ist das Gefühl, daß wir im Augenblick unsterblich sind, daß unserem Leben immer wieder diese Tiefe gibt, die es haben sollte. Die Tiefe ist es, auf des ankommt.
Greiter ist wohlmeinend. Doch da endet es leider auch bereits.
Nicht die Ungewißheit ist es, die den Tod schrecklich macht, sondern seine Unvermeidlichkeit. Natürlich kann es das Denken verändern, wenn man genau um seine Todesstunde weiß. Aber kann man das?
Greiter legt die Tode durch Unfälle, Mord und Suizide auf 3% aller Todesfälle, und ich glaube, da liegt ein Grunddenkfehler seines Ansatzes. Man muß nur an die Zahl der Verkehrstoten denken. Man muß daran denken, daß Suizid die Todesursache Nummer 1 bei Adoleszenten ist. Und was ist mit den Menschen, die beispielsweise durch Anorexia Nervosa umkommen und verhungern? Ohne Energiezufuhr kann kein Körper leben.
Außerdem sind alle Menschen in seinen Szenarien intelligent, gebildet und gehören der gehobenen Mittelschicht an, die es sich leisten kann, ihre letzten Lebensmonate an der Riviera zu verbringen oder auf einer Kreuzfahrt durch die Südsee zu verscheiden.
Manche Beispiele offenbaren auch eine fragwürdige Moral. Da ist zum Beispiel ein Ehepaar, das 135000 Euro braucht, um seine Pension aufzubessern. 120000 Euro haben sie durch eine Erbschaft erworben, und als sie den Rest zusammen haben, legen sie die Summe auf die hohe Kante und verprassen den Rest, denn sie sind der Meinung, ihre Kinder sollten sich nicht auf eine Erbschaft verlassen und statt dessen ihren Wohlstand selbst erarbeiten. Ich glaube, man nennt so etwas Bigotterie.
Ansonsten hat man den Eindruck, als würde in Greiters Welt nur noch gestorben. Alle sind derart auf ihren Tod fixiert, daß sie kaum mehr dazu kommen, zu leben.

Greiters Ansatz ist durchaus interessant. Und seine Botschaft ist durchaus wichtig: Fürchtet den Tod nicht!
Besser wäre aber: Lebt!
Der Sinn des Lebens liegt im Augenblick. Im Jetzt. Ich bin da. Das ist der Sinn des Lebens. Ich bin nicht mehr da. Das ist der Sinn des Todes.



Mittwoch, 24. Oktober 2012

AUSSER DER LIEBE UND DEM TOD

von Ilka Lohmann
Rezension zu „Der Potemkinsche Hund“ (Roman) von Cordula Simon
erschienen bei Picus Verlag Ges.m.b.H., Wien
ISBN: 978-3-85452-688-9; Preis: 19,90 Euro




„Was ist schön außer der Liebe und dem Tod?“, fragt Walt Whitman in seinem Gedicht „Scented Herbage of my Breast“ (1888). Beide Themen greift die österreichische Autorin Cordula Simon in ihrem Erstlings-Roman „Der Potemkinsche Hund“ auf und beweist damit einmal mehr, daß die deutsche Gegenwartsliteratur zwar ihren Schwung verloren haben mag, die österreichische aber nicht.

Irina, Mitte Dreißig und alleinstehend, lebt in Odessa und ist verliebt in ihren Nachbarn Anatol. Aber Anatol stirbt plötzlich und unerwartet. Dieser Tod stürzt Irina in eine tiefe Krise. Sie, eine Chemikerin, wendet ihre Fähigkeiten an, schleicht sich nachts auf den Friedhof und versucht, den Leichnam wieder zum Leben zu erwecken. Vermeintlich scheitert ihr Experiment. Sie wartet nicht lang genug, um Anatols Rückkehr aus dem Reich der Toten mitzuerleben. Sie beginnt nun, ihr Leben zu bedenken, ihre verpaßten Chancen und ungenutzten Möglichkeiten und verläßt die Stadt.
Anatol indessen kehrt aus dem Grab zurück. Ein Hund, er nennt ihn Celobaka (russ. Menschhund), führt ihn durch die Straßen und wird ihm zum treuen Begleiter. Anatol versucht, sich zu erinnern, doch obwohl er wiederbelebt wurde, kann er sein Leben nicht mehr wiederfinden. Es ist vorbei. Es ist beendet. Unwiderruflich. Mit jedem Tag verblassen die Bilder ein wenig mehr.
Als Irina und Anatol einander auf ihren eigenen Odysseen doch begegnen, bleibt das Feuer aus. Sie bleiben Fremde. Die Liebe ist tot. Wie das Leben. Irina hat alles verloren außer ihrer Verzweiflung, und Anatol verschwindet in der Nacht.

Es könnte ja fast ein Schauerroman sein. Doch trotz des Zombies Anatol, der stinkend und verwesend durch die Straßen von Odessa und Kiew wandert, stellt sich kein Schauer ein. Vielmehr wird das Absurde der Situation zu einer merkwürdigen Realität.
Während Anatol sich nicht an sein Leben erinnern kann, wird Irina von ihren Erinnerungen geradezu überschwemmt – eine Flut, der sie sich nicht wiedersetzen kann. Anatol ist gestorben, und auch sie fühlt sich wie eine lebende Tode. Innerlich ist sie ebenfalls ein Zombie. Sie, die immer hinter den anderen stand, auf die nie der Scheinwerfer fiel, die all ihre Chancen, glücklich zu werden, vertan zu haben glaubt, die keinen eigenen Blick zu haben scheint und sich selbst immer nur mit fremden Augen betrachtet. Sie meint, von einer Doppelgängerin verfolgt zu werden – ein Symptom der Spaltung, in die der Abscheu vor sich selbst sie getrieben hat.

Nein, dieses Buch ist nicht schauerlich. Es ist kein Horrorroman im Stile von Steven King. Doch düster ist der Roman auf alle Fälle. Es ist ein bemerkenswertes Stück Gegenwartsliteratur.
Es mag zu Beginn nicht leicht zugänglich sein, doch es öffnet sich allmählich dem Leser wie die Tür einer Gruft zu Mitternacht. Die Sprache ist einfach, nahezu kühl.
Ein Höhepunkt ist das 15. Kapitel. Hier gibt sich die Verfasserin nahezu rhapsodisch einem großen Entwurf über das Leben, den Tod, die Liebe und die Qual des alltäglichen Dasseins hin. Hier bringt sie den Menschen auf einen Punkt. Der Mensch, der Verlorene im Universum. Der Tod, der ein Freund sein kann, der hilft, der dahineilenden Zeit einen Anker und Bedeutung zu geben.

Cordula Simons Erstlings-Roman ist ein kleines Meisterwerk. Es fällt schwer, in der Gegenwartsliteratur Ähnliches zu benennen. Allenfalls wären es Jelineks „Die Kinder der Toten“ oder – um die Gegenwart zu verlassen - „Der Fall Waldemar“ von Edgar Allan Poe.
Was ist das für eine Welt, in der die Toten auferstehen, weil die Liebe nach ihnen ruft, und der die Liebenden am Ende doch nicht zu einander finden?








Dienstag, 2. Oktober 2012

DER GOETHE&SCHILLER-PAKT - Zeitreise in die Freundschaft

Hörbuch von Frederik Beyer und Mark Pohl
Nach dem gleichnamigen Schauspiel von Michael Kliefert
Erschienen bei Wolf Productions 2012
(Rezension von Ilka Lohmann)

So jung ist das Medium Hörbuch nicht mehr. Inzwischen ist es Standard, daß Hörbücher zeitgleich mit ihren papiernen Geschwistern veröffentlicht werden. Der dritte Weg der literarischen Publikation – neben dem E-Book.
Während aber auf der einen Seite von gewissen Kreisen schon das Ende des Buches aus Papier und Leinen lauthals verkündet wird, bleibt das Hörbuch, wenn es nichts weiter als einen Vortrag eines textlichen Corpus enthält, weit unter seinen Möglichkeiten.
Wie man es anders und besser machen kann, zeigt das Hörbuch „Der Goethe-und-Schiller-Pakt“, gelesen von Frederik Beyer und Mark Pohl, nach einem gleichnamigen Theaterstück von Michael Kliefert.

Die beiden Schauspieler Beyer und Pohl, beide aus Weimar, standen mit diesem Stück lange auf der Bühne. Nachdem es im letzten Jahr vom Spielplan genommen wurde, beschlossen beide, einen anderen Weg zu finden, um diesem Stück weiterhin Leben und Aufführung zu geben und es für Menschen auf andere Weise, auch jenseits der Theaterräume, erlebbar zu machen. So stießen sie auf das Medium des Hörbuches.

Im Stück, auf dem Hörbuch dialogisch vorgetragen, wird die Geschichte der Dichterfreundschaft zwischen Johann Wolfgang Goethe (Frederik Beyer) und Friedrich Schiller (Mark Pohl) vorgetragen.
Der Hörer kann den Weg, den beide Freunde mit einander unternahmen, mit verfolgen. Die Freuden und Leiden, die Anteilnahme. Man erlebt die beiden Dichter, wie sie an ihren Balladen schreiben und verzweifeln, wie sich gegenseitig Halt und Unterstützung geben auf den steinigen Pfaden der klassischen Literatur. Und am Ende Schmerz und Tod. Das Leben als Schauspiel, als Bühne, als Drama.
Heiter geht es zu, wenn die Dichter ihre Xenien rezitieren. Trauriger, berührend, nahegehend wird es, wenn Schiller stirbt – zu jung.
Sehr schön und befreiend für den Hörer ist dabei, daß hier nicht zwei Heroen der Literatur auf ein Marmorpodest gehoben werden, sondern es zwei Menschen sind, die mit einander leben und reden und arbeiten. Und man kann erleben, wie Literatur entsteht, daß es immer Arbeit ist und das selbst solche Geister, die von der Nachwelt groß gemacht worden sind, an ihren Sätzen und Formulieren schier verzweifeln wollen, so wie Schiller am Wallenstein.

Kunst kann Türen öffnen, wenn auch nur einen Spalt breit. Und auch wenn es nur Fiktion ist, was Literatur uns gibt, so schafft sie doch, das, was keiner mehr weiß, keiner mehr wissen kann, weil er es nicht erlebt hat, in Bilder, in Bewegung, in Wirklichkeit zu verpacken. Genau das gelingt auch diesem Stück. Man bleibt doch, selbst wenn man Biographien liest, Gräber besucht und ehemalige Wohnhäuser durchwandert, immer nur an der Außenseite der Geschichte kleben – wie eine Fliege an der Fensterseite.
Aber historische Fiktion kann diese Scheibe durchdringen.
Kliefert hat Goethe und Schiller aus ihren Gräbern geholt, Pohl und Beyer haben ihnen Leben eingehaucht, und man meint, zumindest durch ein Schlüsselloch darauf zu blicken, wie es wirklich war, wie es wirklich hätte sein können in dieser Dichterfreundschaft, die so sehr von Legende und Wirklichkeit – um nicht zu sagen: von „Dichtung und Wahrheit“ - durchdrungen ist, daß es schwer ist, das eine von dem anderen zu unterscheiden.
Aber in der Kunst muß das nicht sein. Literatur und Theater haben ihre eigene Wahrheit.

Mit dem Hörbuch „Der Goethe-und-Schiller-Pakt“ ist ein spannendes Experiment gelungen – Theater auf CD zu bannen – von den Dimensionen der sinnlichen Wirklichkeit reduziert auf den reinen Klang. Der Vortrag von Beyer und Pohl tut das seinige dazu. Nuanciert, lebendig. Beide haben eine stimmliche Meisterleistung vollbracht. Ja, ihr Vortrag läßt ihre körperliche Abwesenheit vergessen. Die Bilder, die nötig sind, finden sich wie von selbst vor dem inneren Auge ein. Eine Zeitreise in Hörbuchform.
Nicht zuletzt etwas, das man so manchen „DeutschlehrerInnen“ nahe legen sollte, damit die nicht vergessen, daß hinter dem, was man immer als so groß und hehr und edel darstellen möchte, Menschen steckten, die aus Fleisch und Blut waren und sich in den Grundlegungen ihres Leben gar nicht so sehr von uns unterschieden.

  





Mittwoch, 26. September 2012

DIE MASKIERTE LADY

[Anmerkung: Nur ein gelegentliches Stück, einzig zum Zweck der Unterhaltung geschrieben. Sherlock-Holmes-Fans könnten eventuell ins Schmunzeln kommen. Ilka Lohmann]


Ich geb es ehrlich zu, mir fehlt zum Schreiben die Geduld, obwohl ich sehr ausdauernd sein kann. Heute allerdings muß ich zur Feder greifen, denn es ist nicht zu erwarten, daß mein alter Freund Dr. Watson selbst den Stift in die Hand nimmt, um diese denkwürdige Begebenheit niederzuschreiben.
Nun, dann will ich beginnen.
Ich hatte einige Wochen auf dem Lande verbracht, um meine Gesundheit zu befördern und war guter Dinge in die Bakerstreet zurückgekehrt. Doch schon in der Tür fiel mir auf, daß etwas nicht so war, wie es sein sollte.
Etwas stimmte nicht, und wie ich rasch beobachtete, war es Watson. Er beachtete mich kaum, als ich unser Zimmer betrat, sondern saß in einer dumpf brütenden Stimmung, die ich an ihm nicht kannte, auf dem Sofa – den Blick starr auf das Fenster gerichtet.
Als ich seine Schulter antippte, fuhr er zusammen.
Ah, Holmes“, erwiderte er trübselig, „Sie sind wieder da.“
Allerdings“, sagte ich und setzte mich zu ihm. Seine Apathie mir gegenüber verärgerte mich. „Aber Sie sind es offensichtlich nicht ganz. Was ist denn das für eine Begrüßung.“
Jaja, schön, das Sie wieder da sind. Ich hab Sie vermißt wie nur etwas“, gab er mir lustlos zur Antwort.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte mich zurück. „Also gut, Watson, was ist los? Wollen Sie mir antworten oder muß ich die Kunst der Deduktion an Ihnen ausüben?“
Bloß nicht“, antwortete Watson, und begann seine Geschichte zu erzählen.
Es stellte sich heraus, daß Watson während meiner Abwesenheit einen Maskenball besucht hatte. Nur der Himmel weiß, wie er auf diese Idee gekommen ist. Jedenfalls hat er da eine Frau kennengelernt und sich prompt verliebt. Der arme, treuherzige, rührselige Watson. (Ich lache, während ich dies schreibe.) Nun plagte ihn großer Schmerz, denn er wußte rein gar nichts von ihr, kannte weder ihren Namen, noch ihr Gesicht, da sie eine Maske trug, und also wußte er nicht, wie er sie wiederfinden sollte. Zumal er auch nicht ein Wort mit ihr gewechselt hatte.
Ich schlug mit gespielter Entrüstung die Hände über dem Kopf zusammen. „Watson, wenn Sie nicht wissen, wie die Dame aussieht und noch nicht einmal mit ihr gesprochen haben, wie kommen Sie dann darauf, daß Sie verliebt sind?“
Liebe ist eine Energie“, gab Watson zur Antwort. „Sie fragt nicht nach, sie trifft einen. Aber davon verstehen Sie nichts.“
Gewiß“, entgegnete ich. „Vielleicht haben Sie sich ja in das Kleid der Dame verliebt.“
Watson warf mir einen zornigen Blick zu.
Na gut, na gut“, sagte ich, bereit, um des lieben Friedens willen einzulenken. „Dann wollen wir doch mal sehen, wie wir Ihre Herzdame finden können. Wer hat den Ball veranstaltet?“
Der Duke of Holderness.“
Soso.“ Der Duke war mir bekannt. „Dann sollten wir uns an ihn wenden und ihn um die Gästeliste bitten.“
Als ich das sagte, ging ein Leuchten über Watsons Gesicht, und mein Freund grinste sehr einfältig.
Ich machte mich dann also auf den Weg. Der Duke of Holderness war sehr kooperativ, und als er von meinem Anliegen erfuhr, gab er mir alle Unterstützung, die ich brauchte. So hatte ich bald die Identität der fremden Dame herausgefunden, und ich hatte auch gleich, um Nägel mit Köpfen zu machen, ein Rendevouz zwischen Watson und ihr arrangiert. Die beiden sollten sich am Samstagabend im Cafè Royal treffen.
Weil mein Freund so nervös war, begleitete ich ihn zu dem Treffen. Er hatte mindestens einen Zentner Gel in seine Haare geschmiert, und sich dermaßen mit Parfum eingesprüht, daß selbst ein Stinktier davongelaufen wäre.
Am Eingang des Restaurants verabschiedete er sich von mir. „Sitzt auch alles?“, fragte er und zupfte nervös an seiner Krawatte.
Ja doch“, sagte ich und wischte noch ein Stäubchen von dem Kragen seines Jacketts.
Dann betrat Watson das Restaurant. Ich wartete vor der Tür. Zu gern hätte ich ihn begleitet, denn ich wußte, was für eine Überraschung dort seiner harrte.
Es dauerte auch nicht lange, da kam Watson wieder heraus. Nun, er kam nicht. Er rannte. Er preschte mir entgegen mit der Energie einer mittleren Dampfmaschine. Er prallte mit mir, der ich noch an der Tür stand, zusammen. Und danach wurde es dunkel.
Als ich wieder aufwachte, lag ich im London Brigde Hospital. Watson saß an meinem Bett und machte sich schwere Vorwürfe. Immer wieder beteuerte er, wie leid es ihm tat, daß er mich umgestoßen und mich dann die Kutsche beinahe überfahren hatte.
Nicht der Rede wert“, sagte ich. „Immerhin lebe ich noch. Und Sie waren auch ein wenig außer sich.“
Allerdings“, meinte Watson und senkte betrübt den Kopf. „Warum haben Sie mir nicht gesagt, daß die Dame der Sohn des Dukes in einem Kleid seiner Mutter war?“
Ich seufzte. In der Tat war es mir nicht in den Sinn gekommen, meinem Freund einfach die Wahrheit über seine Angebetete zu sagen. So erwiderte ich einfach: „Watson, weil ich ein schlechter Mensch bin.“



Samstag, 18. August 2012

BANALES AUS DER THRILLER-KISTE: DER KNOCHENBRECHER von Chris Carter

Rezension „Der Knochenbrecher“ von Chris Carter

Chris Carter „Knochenbrecher“, erschienen bei Ullstein Taschenbuchverlag, Mai 2012, 423 Seiten, übersetzt von Sibylle Uplegger
ISBN: 978-3548284217
Preis: 9,99 Euro



Ein Thriller ist ein bestimmtes Genre in Literatur und Film. Der Name bedeutet „Spannung“. Es soll eine Geschichte erzählt werden, die beim Rezipienten derselben eben dieses Gefühl der Spannung auslöst. Dazu werden bestimmte Techniken verwendet: Weite Spannungsbögen, besondere Überraschungsmomente in der Handlung oder Täuschungsmanöver („Red Herrings“).

Der Autor Chris Carter hat das Handwerk des Thriller-Schreibens gelernt. In seinem Roman „Knochenbrecher“ zieht er alle Register, zeigt alle Spielarten.
Es geht um einen Serienmörder, der Frauen mit zusammen genähten Mündern und Schamlippen in einsamen Gebäuden zurück und dem Sterben überlässt. Sie sollen durch eine Art Selbstzerstörungsmechanismus, den er ihnen in den Unterleib geschoben hat, ums Leben kommen. Mal ist es eine Bombe, die allerdings erst bei der Obduktion explodiert, ein andermal ist es eine Leuchtrakete, die das Opfer von innen verbrennt. Beim dritten Mal eine Art Messer, daß die junge Frau von innen zerfetzt. Die Opfer sind alle Künstlerinnen um die Dreißig, die sich auf frappierende Weise ähneln.
Dr. Robert Hunter, Detective beim Morddezernat I des LAPD, hat die Aufgabe, den Täter zu fassen. Er ist hochintelligent und gut ausgebildet. Ein Genie, das unter Schlaflosigkeit leidet. Und leider aus der Retorte stammt.
Auch die anderen Personen, die in dem Roman auftauchen, wirken wie Abziehbilder, sind bleich und gesichtslos, und bei einigen ist auch lange Zeit unklar, ob sie Männer oder Frauen sind. Sie reden auch viel von ihren Gefühlen, scheinen aber keine zu besitzen.
In der Tat bleibt alles an der Oberfläche. Nichts hat Tiefe.
Und natürlich wird auch am Ende die Chefin von Detective Hunter entführt, so wie es zu sein hat. Und natürlich geht alles glimpflich aus, nur nicht für die kleine Privatdetektivin, die erheblich zur Lösung des Falles beiträgt.

Ach ja, Dr. Hunter ist ja ein Profiler. Das muß man immer wieder erwähnen, weil man es nicht erlebt. So etwas wie Profiling findet nämlich nicht statt. Und wenn, dann auf einem Wikipedia-Niveau, daß eines Romans, mit dem sein Urheber sicherlich sehr, sehr viel Geld verdient, keineswegs gerecht wird.

An dem Buch gibt es nichts Bemerkenswertes. Man liest es und legt es beiseite. Jede Folge von „Criminal Minds“ ist spannender.
Denkt man an die Meister des Faches wie Thomas Harris oder Cody MacFadyan, dann wird die Enttäuschung noch größer.
Nun, das Buch ist ja nicht unangenehm, es ist nur von solch absoluter Durchschnittlichkeit, daß es keinen Eindruck hinterläßt. Man legt es beiseite und denkt nichts. Man ist unberührt. Man empfindet weder Grauen, angesichts der Verbrechen, noch Mitleid mit den Opfern. Nichts empfindet man.
Es gelingt dem Roman nicht, lebendige Bilder im Geist des Lesers zu wecken.

Nun, es mag sein, daß auch dieses Buch seine Klientel findet – den schlichten Geist, der das Vorhandensein von Blut und Eingeweiden mit Atmosphäre und schnelle Szenenwechsel mit Spannung verwechselt.
Aber das ist kein Buch, das bleibt. Man wird es vergessen. Vielleicht taucht es in ein paar Jahren auf den Wühltischen auf. Und da gehört es hin.
Ja, vom Niveau und vom Inhalt her habe ich bei John Sinclaire schon weitaus Beeindruckenderes gelesen.

Zum Schluß noch eine Kritik an der Übersetzung: Der Titel „Knochenbrecher“ macht keinen Sinn, denn bis auf das eine Opfer nebst Autopsie-Mannschaft, die von einer Bombe zerfetzt werden, wobei sicherlich der eine oder andere Knochen zu Bruch geht, erleidet niemand in diesem Buch einen Knochenbruch.
Der englische Titel „The Night Stalker“ ist da schon aussagekräftiger. Und dies wiederum macht Hoffnung, daß das englische Original des Buches möglicherweise auch stilistisch seiner deutschen Übersetzung überlegen sein könnte.





















Samstag, 28. Juli 2012

MARTIN LUTHER - MENSCH UND CHRIST

Essay - vorgetragen am 28. Juli 2012 in der Kirche zu Kleinromstedt
anläßlich eines Konzerts im Rahmen der Dorfkirchenmusiken im Weimarer Land





Eine der bedeutsamsten historischen Persönlichkeiten deutscher Abstammung ist mit Sicherheit Martin Luther. Luther, der Mönch, der Theologe, der Revolutionär und der Reformator. „Larger than life“ möchte man manchmal denken, wenn man versucht, tiefer in Leben und Werk und vor allem in die Persönlichkeit dieses Mannes vorzudringen.
Wie alle Großen der Geschichte gibt es Luther zweimal. Der eine ist der Mensch aus Fleisch und Blut, der lebte und liebte und seine Zeit auf Erden verbrachte. Der andere ist die Persönlichkeit, ein Heros, eine fast schon mythische Figur. Viel der Großen haben diese Verdopplung erfahren – Barbarossa, Armin der Cherusker, Goethe. Durch die sagenhafte Überhöhung aber werden diese Figuren von uns entfernt. Wir wagen es kaum noch, sie zu berühren, und wenn, dann müssen wir uns mit dem Schild der Ironie wappnen, um uns zu schützen gegen die Erhabenheit, die vielleicht keine ist. Hin und wieder kommen Menschen und versuchen, die Helden von ihren Sockeln zu stoßen. Obwohl das nicht nötig ist. Wir wissen ja instinktiv, daß die Menschen nicht identisch sind mit ihren marmornen Abbildern, und wir brauchen sie doch, unsere Helden.

Im Jahre 2017 steht ein großes Jubiläum an. Es werden dann exakt 500 Jahre vergangen sein, seitdem sich Martin Luther am Vorabend von Allerheiligen im Jahre 1517 aufmachte, um – so sagt es die Legende – seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg zu schlagen. Seit 2007 feiert die EKM ihre Lutherdekade. Inzwischen ist Halbzeit.
Luther ist natürlich das Zentralgestirn, ist Dreh- und Angelpunkt dieser Festzeit. Natürlich ist er der Held. Die lutherische Kirche will ihren Begründer feiern, der für die gerechte Sache Leib und Leben riskierte. Wie es das Schicksal will, war Luther eine vielschichtige Persönlichkeit, die nicht leicht einer Schublade zuzuordnen ist. Das macht ihn zu einer idealen Projektionsfläche für alle möglichen Argumente, um Kirche zu gestalten.
Sicher ist nur eines: Der wirkliche Luther war bestimmt ganz anders.

Luthers Eintritt in den Augustinerordern erfolgte nicht in erster Linie wegen einer tiefen, inneren Berufung. Er war ein junger, weltlich gesinnter Student der Rechtsgelahrtheit, als er auf dem Weg nach Erfurt von einem Gewitter überrascht wurde und erschrocken auf die Knie fiel mit dem Stoßgebet: „Hilf, Heilige Anna! Ich will Mönch werden.“
Seine Zeit im Kloster verlief denn auch in den ersten Jahren recht unspektakulär. „Wer einst den Blitz zu zünden hat, muß lange Wolke sein.“ (Lilje, 2006, S. 63) Nur durch eine Sache machte er von sich reden: durch sein exzessives Beichten. Er beichtete alles, was ihm auch nur im entferntesten Sinne als Sünde erschien, bis ihn schließlich sein Beichtvater ermahnte, er solle nicht immer mit solchem „Humpelwerk und Puppensünden“ kommen. Was Luther in diesen Zeiten umtrieb, war die große Frage nach dem gnädigen Gott. Wie konnte man Vergebung vor Gott erlangen? Wie konnte man ein aufrechtes, sündenloses Leben führen? Wie sollte man rechte Buße tun?
In jener Zeit blühte der Ablaß-Handel. Der Papst in Rom wollte den Petersdom erbauen und hatte beschlossen, das Geld für diesen Zweck mit den Sünden der Leute zu verdienen. Also, man bezahlte einen gewissen Betrag, je nach Sünde, und erhielt so die Absolution. In Luthers Augen ein Ding der Unfassbarkeit. Seine Empörung über diese Praxis des Ablasshandels war es, die ihn letztlich zu seinem Thesenanschlag veranlasste.
Mit dieser schlichten Tat, von der man in Rom zunächst kaum Notiz nahm, stieß Luther eine Lawine los. Am Ende formte sich eine Bewegung, die Luther zwar zu ihrer Galionsfigur erkoren hatte, aber deren Ziele, Vorgehensweisen und Siege nicht unbedingt dem entsprachen, was Luther gewollt hatte.

Luther war kein Umstürzler, auch wenn der Umsturz ihm folgen sollte. Er wollte ein Reformator sein, er wollte seine Kirche reformieren. Sie sollte sich wieder auf ihre Mitte konzentrieren, auf ihr Wesen, auf das, was sie ausmachte: Jesus Christus. Sie sollte durch Liturgie in der Landessprache näher zu den Menschen kommen, von den Menschen besser verstanden werden. Und sie sollte ihre Lehre bereinigen von allem, was nicht Christus war, von allem, was die Botschaft des Gottessohnes leugnete oder verfälschte.
Liturgie war ein Kernpunkt seiner Gedanken. Ebenso die Feier des Abendmahls, der Eucharistie.
Die Bilderstürmerei, wie sie im Zuge von Reformation und Bauernkrieg um sich griff, war Luther ein Greuel. Er sagte: „So wird dies wahrlich dich auch zu keinem Christen machen, daß du die Klöster einreißt, die Obrigkeit verachtest, dich voll und toll frissest und säufst.“ (Lilje, 2006, S. 93)

Luther ist ein tragischer Held. An vielen Dingen, denen sein Name gegeben wurde, war er nicht beteiligt. Vieles von dem, was in seinem Namen geschah, hat er nicht gewollt.
Aber er hat nicht aufgegeben. Wenn er auch am Ende resignieren mußte.
Lieber Herre Jesu Christe“, so schreibt er wenige Jahre vor seinem Tod, „halt du selbst Konzilium und erlöse die deinen durch deine herrliche Zukunft.“ (Lilje, 2006, S. 116)

Hans Lilje, der Historiker und Theologe, schreibt über Martin Luther: „Die geschichtliche Größe des alten Luther besteht darin, daß er unbeirrt bis zu seinem letzten Lebenstage aus der Erkenntnis heraus lebt, die er gelehrt hat: Gott macht die Sünder gerecht.
Luther fand seinen gnädigen Gott. (Lilje, 2006, S. 119f-)

Zum Schluß möchte ich Philipp Melanchthon zu Wort kommen lassen, Luthers Freund, Weggefährten und Mitstreiter.
Er sagte, als er Luthers Eulogie hielt: „Jeder, der ihn (Martin Luther) genauer gekannt hat und oft in seiner Nähe gewesen ist, muß bezeugen, daß er ein sehr gütiger Mann war, im Verkehr mit anderen in allen Reden milde, freundlich und sanft und gar nicht frech, stürmisch, eigensinnig oder zänkisch. Und doch lag gleichzeitig Ernst und Festigkeit in seinen Worten und Gebärden, wie es einem solchen Manne zukommt. … daher ist es offenkundig, daß die Härte, die er gegen die Feinde der reinen Lehre anwandte, nicht auf ein zänkisches und boshaftes Gemüt zurückzuführen war, sondern auf ein großes und ernstes Streben nach Wahrheit. Das müssen wir und viele andere, die ihn gesehen und gekannt haben, von ihm als Zeugnis ablegen.“ (Lilje, 2006, S. 130)


Literatur:
Hanns Lilje (2006) Martin Luther – mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowolth Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 


Der für das Konzert festlich geschmückte Altar der Kirche Kleinromstedt

Samstag, 7. Juli 2012

ÜBER DIE VERGEBUNG ALS CHRISTLICHE TUGEND

Gestern abend habe ich jemanden sagen hören, daß Vergebung zwar eine christliche Tugend sei, daß sie aber nur dann möglich wäre, wenn der andere seine Schuld auch eingestehen würde.
Nun frage ich mich: Ist das wirklich christlich?
Erstens, habe ich das Recht, über die Schuld eines anderen zu urteilen? Was sagt Jesus dazu? "Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit dem Maß, mit dem ihr meßt, sollt ihr gemessen werden."
Zweitens: Kann es verboten sein, zu verzeihen? Darf sich sich die Vergebung eines Menschen, mithin eines Sünders (denn wir alle versündigen uns immer wieder), an kleinliche Bedingungen knüpfen? Was sagte Jesus, als man ihn fragte, wie oft man seinem Bruder vergeben sollte? "Da fragte Petrus: 'Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er mir Unrecht tut? Ist siebenmal denn nicht genug?' - 'Nein', antwortete Jesus. 'Nicht nur sieben mal. Sondern bis siebzig mal sieben mal.'"
Also ist diese Art der Vergebung, die den anderen zum Schuldeingeständnis zwingen und somit auch erniedrigen will, keine christliche Vergebung. Das ist nicht das Wort Jesu.
Hat Jesus von Maria Magdalena gefordert, daß sie ihm bekannte, eine Ehebrecherin zu sein? Es war ihm egal. Er hat zu den Leuten gesagt: "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."
Also: Vergebt einander, wie Christus euch vergeben hat. Nur der, der ohne Sünde ist, hat ein Recht auf unsere Bekenntnis. Das ist also Christus, das ist Gott. Selbst in der Beichte ist es ja nicht der Priester, vor dem ich meine Missetaten offenbare, es ist Gott, zu dem ich spreche, und der Priester ist "nur" sein menschlicher Mittler. 
Und noch ein dritter Grund: Wenn ich jemandem vergebe, befreie ich letztlich mich selbst. Ich kann dann aufhören, dem anderen zu grollen und wieder ein wenig befreiter atmen. Es geht letztlich auch darum, sich selbst einen Gefallen zu tun. Wer allen Menschen gram ist, weil sie anderer Meinung sind oder in seinen Augen einen Fehler gemacht haben oder warum auch immer, der kann nicht glücklich leben, der muß verbittern. Und das ist doch nicht erstrebenswert. Das kann keiner wollen.
Wie bedeutsam das Thema Vergebung für einen Christen sein sollte, lehrt Christus sehr eindringlich durch seine Worte am Kreuz. "Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" Der Sterbende, der als Schuldloser die Sünden aller Menschen auf sich nimmt, spricht hier das große Wort des Verzeihens aus, an der Schwelle zum Tod, mitten im tiefsten Leiden. Kein Gedanke daran, erst die Schuldbekenntnis der anderen hören zu wollen. Sondern Vergebung für alle, heraus aus der Quelle einer unendlichen, endlosen, allumfassenden Liebe. Die Liebe Gottes verzeiht uns all unsere Sünden, davon bin ich fest überzeugt, denn das Maß Gottes ist ein anderes als unser menschliches Maß.
 So lehrt es uns auch das Gebet, das alle Christen vereint. Das Vaterunser. "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." Also, Gott vergibt uns in dem Maße, in dem wir bereit sind, anderen zu vergeben. Und er richtet uns so, wie wir über andere richten.
Wenn wir anderen und uns selbst vergeben, sind wir selbst Gott ganz nahe. Wenn wir unsere Herzen eng und blind machen und von den anderen ein Bekenntnis seiner Schuld und seiner Reue verlangen, dann entfernen wir uns von der Liebe, und somit von Gott.
Es ist ja auch so: Wir kennen die Herzen anderen nicht, aber Gott wohl. Mancher von uns kennt noch nicht einmal sein eigenes Herz. Aber Gott kennt es dennoch. Und wir sind alle so. Wir alle hegen einen Groll in uns. Viele von uns haben eine tiefe Wunde in ihren Herzen, und dann wünschen wir uns schon, daß der, der sie geschlagen hat, vor uns tritt und zugibt: "Ja, ich habe unrecht an dir getan." Doch das passiert so gut wie nie. Aber gerade dann müssen wir vergeben, um uns zu befreien. Solange wir das nicht tun, hat der, der sich an uns vergangen hat, Macht über uns, über unsere Seele. Und wir vergeuden uns an den Schmerz. Dann müssen wir zu uns sagen: "Er oder sie hat unrecht an uns getan, und das ist auch nicht meine Schuld." Und wir müssen uns selbst verzeihen, um uns frei zu machen.
Also vergebt einander, wie Christus es getan hat. Und schafft Frieden auf diesem, auf Christi Weg.
 

Donnerstag, 28. Juni 2012

DAS FREMDE GLÜCK - der Thriller "DAS ALTE KIND" von Zoe Beck


Rezension zu Zoe Beck (2010) „Das alte Kind“
Erschienen bei Bastei Lübbe, Köln, ISBN 978-3-404-16443-1
Preis: 7,99 Euro

Thriller sind Unterhaltungsliteratur, und bei Bastei Lübbe erscheint nur Schund.
Zwei falsche Behauptungen in einem Satz, beide falsifiziert von Zoe Becks Roman und Thriller „Das alte Kind“ aus dem Jahre 2010.

Im Abstand von dreißig Jahren machen zwei Frauen – die erfolgreiche Kunsthändlerin Carla und die Lebenskünstlerin Fiona – die gleiche Erfahrung. Sie werden Opfer einer Straftat, doch niemand will ihnen Glauben schenken.
Carla, erst vor wenigen Wochen Mutter geworden, war wegen einer Wundrose lange in Quarantäne und von ihrer Tochter Felicitas getrennt. Als man ihr das Kind schließlich bringt, erschrickt sie zutiefst. Das ist nicht Felicitas. Die Situation spitzt sich zu, als sich herausstellt, daß das Kind obendrein an Progerie erkrankt ist – einer seltenen genetischen Störung, die den Betroffenen in großer Geschwindigkeit altern lässt. Carla macht sich auf die Suche nach ihrer Tochter. Aber weil keiner, auch ihr Mann nicht, der sie nur aus Prestige-Gründen geheiratet hat, ihr Glauben schenkt, zerstört diese Suche ihr Leben und ihre Familie.
Fiona wacht eines Nachts mit zerschnittenen Pulsadern in der Badewanne auf. Gerade noch rechtzeitig gelingt es ihr, den Notarzt zu rufen. Sie überlebt, aber weil sie einmal in psychotherapeutischer Behandlung war, unterstellen ihr die Ärzte einen Selbstmordversuch. Keiner glaubt ihr, als sie behauptet, daß jemand einen Mordanschlag auf sie ausgeübt habe. Bis ihre Mitbewohnerin, die sich einen Sport daraus gemacht hat, Fiona zu imitieren, ermordet aufgefunden wird.
Die Schicksale der beiden Frauen sind mit einander verbunden. Sie führen zu einander auf Umwegen zu einander. Jede hat ihr eigenes Rätsel, aber sie haben auch ein gemeinsames, und als es Fiona mit Hilfe eines Freundes löst, brechen Abgründe auf.

Die Themen, die Zoe Beck in ihrem Roman mit einander verwebt, sind vielfältig. Psychische und genetische Erkrankungen, künstliche Befruchtung, Wissenschaftskriminalität, Spionage, familiäre Konflikte – es öffnet sich ein weites Spektrum des menschlichen Lebens.
So lebensnah sind auch die Figuren gezeichnet. Sie sind echt. Sie strahlen – je nachdem – Wärme oder Kälte aus. Als Leser kann man sich ihnen nicht entziehen, ihnen nicht gleichgültig begegnen. Sie haben Substanz. So wie die Geschichte auch. Substanz, ein fester Nährboden.
Dazu ist das Buch in einer sehr schönen, flüssigen und dennoch zeitgemäßen Sprache geschrieben. Zeitgemäß, aber ästhetisch. Wobei die Autorin auf wohltuende Weise allen übermodernen Schnickschnack weggelassen hat – ein Garant dafür, daß man das Buch noch ihn 20 Jahren wird lesen können.
Darüber hinaus ist das Buch Literatur. Die Autorin greift Motive auf, lässt hinein blicken in die Seelen ihre Akteure und gibt dem Leser die Möglichkeit, dazu zu lernen.
So begreift der Leser hoffentlich, daß Carlas Leben nicht zerstört wurde, weil man ihr das Kind stahl, oder weil sie meinte, daß man ihr ein fremdes Kind untergeschoben habe, sondern ihr Leben und sie selbst zerbrachen an der Kälte und Ignoranz ihres Ehemannes und der Gesellschaft, in der sie lebte.
Und das war es auch, was Fiona rettete. Fiona war gerettet in dem Augenblick, als sie einen Menschen traf, der ihr Glauben schenkte, auch wenn die Rettung nicht sofort geschah. Aber der Weg war geebnet.
Beck zeigt auch, was das häufigste Motiv ist, aus dem heraus Menschen Böses tun, bzw. anderen Böses antun: Sie tun es, weil für sie das eigene Leben von größerer Bedeutung ist als das Leben der anderen, weil ihr eigenes Glück ihnen so viel schwerer wiegt als das fremde. So handeln nicht nur die Schurken in dieser Geschichte, sondern so handelt beispielsweise auch Frederik, Carlas Ehemann, als er seine Frau opfert und in einer psychiatrischen Anstalt wegsperren läß, nur um seiner eigenen Karriere zu dienen.

Gute Literatur gibt uns immer etwas mit auf dem Weg. Was Zoe Becks Roman „Das alte Kind“ uns mitgibt, ist dies: Leben werden nicht allein von denen zerstört, die uns übel gesinnt sind und uns Böses antun wollen, sondern vor allem von denen, die uns nahe stehen, die vorgeben, uns zu lieben und uns am Ende die Hilfe verweigern.


Dienstag, 26. Juni 2012

Der Neuschwanstein-Kot Oder: Was dabei herauskommt, wenn man nur mit Wikipedia recherchiert und den Rest dazuphantasiert


Rezension zu Arno Loeb (2012) Der Neuschwanstein-Code
Erschienen bei Unsichtbarverlag, Dietdorf, ISBN 978-3-94920-4
Preis: 12,95 Euro



Wer sich schon einmal mit dem Verlagswesen befasst hat und selbst schreibt, der stellt sich und Verlegern immer wieder einen Frage: Wie muß ein Manuskript sein, damit es veröffentlicht wird.
Man bekommt dann viele kluge und nichtssagende Antworten. Es müsse ansprechend sein, es müsse in die Verlagsphilosphie passen, es müsse gut gemacht sein, gute Sprache, gute handwerkliche Arbeit. Und dann der Spruch: Ein gutes Manuskript wird auch seinen Verlag finden.

Es gibt jetzt eine neue Linie für Normalnull in der Qualität eines Romanmanuskripts. Festgelegt und beinahe sogar noch selbst unterboten hat sie der Autor und Tausendsassa Arno Loeb mit seinem „Roman“ „Der Neuschwanstein-Code“.
Auf fast 400 Seiten entwickelt der Verfasser eine Geschichte, die an Hirnrissigkeit, Zusammenhanglosigkeit und Imbezilität kaum zu überbieten ist.
Das fängt schon bei den Figuren an.
Heldin ist eine Amerikanerin, die auf Schloß Neuschwanstein als Fremdenführerin arbeitet. Leider ist sie mental etwas minderbemittelt, was sich zum Beispiel darin äußert, daß sie kein Englisch kann. So muß sie beispielsweise erst von einer japanischen Manga-Zeichnerin die wahre Bedeutung des Wortes „horny“ erfahren. Außerdem ist sie ein sehr schlichtes Gemüt und nur zu wenig rationalen Überlegungen fähig.
Die Manga-Zeichnerin ist eine von drei Japanern in der Geschichte, die anderen beiden, ihre Bruder und ihr Vater, sind – natürlich, möchte man fast schreien! – Sushi-Koch und Karate-Meister. (Vielleicht hat sie noch einen zweiten Bruder, der Ninja ist und deshalb nicht in der Handlung auftaucht.) Mit dem Karate-Meister fängt die Fremdenführerin dann auch – wieder möchte man „natürlich!“ schreien – etwas an.
Es gibt dann noch einen schrulligen Polizisten und einen kauzigen Erfinder und natürlich jede Menge homosexuelle Randfiguren. Muß ja auch so sein, denn immerhin war Ludwig II. schwul und hatte sonst nicht viel, um eine Persönlichkeit zu entwickeln.
Und es gibt auch einen Schurken, dem eine nordische Walküre zur Seite steht.
Also die Zahl der schwachsinnigen, halbentwickelten Charaktere in diesem Buch ist Legion.

Kurz zur Handlung:
Ludwig der II. habt beim Bau von Neuschwanstein den Schatz der Nibelungen gefunden und unter dem Schloß versteckt. Damit das Versteck geheim bleibt, hat er die Information mit Friedrich Nietzsche und Richard Wagner geteilt. Alle drei hatten den Teil eines Rätsels, das zusammengesetzt die Lage des Schatzes verraten sollte.
Diese Rätselteile tauchen nun wieder auf, und natürlich wollen alle den Schatz haben.
Die Jagd führt durch ganz Europa. Man schändet Cosima Wagners Grab, und als man am Ende in der Schatzhöhle zusammenkommt, ist der ganze Schatz schon weg. Der wahnwitzige Erfinder hat den Schatz auch ohne Rätsel gefunden und ihn benutzt, um seine Forschung voranzutreiben, z.B. um ein U-Boot zu bauen, mit dem er im Starnberger See herumfahren kann.

An dieser Stelle möchte ich einen Absatz aus dem Buch zitieren, um ein Beispiel für die wirre Sprache, in der es abgefasst ist, zu geben:
Sie zog den Tarnmantel, den ihr Bruno umgeworfen hatte, eng an sich. Komischerweise fiel ihr jetzt ein, dass ihr Bruno erklärt hatte, er vermutete, dass dieser Sternenstaub die herumwirbelnden Atome von Materien so anordnete, dass ein menschliches Auge genau durch die Zwischenräume der Atome blickte, wodurch der Unsichtbarkeits-Effekt entstand. Allerdings wirkte der Tarnmantel nur in einem Umkreis von höchstens fünfzig Zentimetern, meistens weniger. Und am besten in Verbindung mit der Körperwärme von Menschen. Das war ein Problem für große und dicke Menschen, hatte Bruno geschildert. Die wurden nicht ganz unsichtbar. Weil der Tarnmantel von allem Seiten wirkte, konnten Menschen  mit einem Durchmesser von einem Meter problemlos unsichtbar werden[1]. Walle schlich sich hinter die Statue des Flöten spielenden Krishna.“ (S. 361)
In dieser Sprache ist das ganze Buch abgefasst. Es ist deshalb sehr schwer zu lesen,

Man merkt: Der Autor will „abgefahren“ schreiben, was immer das bedeuten mag. Deshalb spielt auch eine Gothic-Band eine Rolle, tauchen schwule Mangas auf und hat jeder ein iPhone[2].
„Der Neuschwanstein-Code“ ist kein gutes Buch, um Zeit damit zu verbringen, einfach weil es kein gutes Buch ist.
Nichts an diesem Buch ist interessant. Die Figuren sind blaß, dümmlich und voll von Klischees. Die Handlung ist so wirr, daß ihr noch nicht einmal der Verfasser selbst folgen konnte. Die Sprache ist schlimm. Obendrein ist das Buch sehr schlecht lektoriert, voller Druckfehler und grammatischer Fehler.
Das ist sehr bedauerlich, denn man hätte viel machen können aus der Geschichte. Aber dazu hätte es Gewissenhaftigkeit und einer gewissen Bemühung seitens des Autors bedurft, die dieser leider nicht zu invenstieren bereit war.
Schade.
Eine Chance auf ein spannendes Buch vertan.

Ich rate von der Lektüre ab.

http://shop.unsichtbar-verlag.de/product_info.php?products_id=28




[1] Anmerkung: Nur um mal die Rechnung nachzuvollziehen… Ein Mensch mit einem Durchmesser von einem Meter hat einen Umfang von über drei Metern. Also „dick“ muß da schon „seeeeehr dick“ sein. Interessant wäre allerdings, was man sehen würde, wenn so ein Mensch den oben beschriebenen Tarnmantel trüge. Vermutlich seine Innereien. Also, wenn Ihnen mal ein einsamer Verdauungstrakt entgegen kommt, dann ist das vermutlich ein sehr, sehr dicker Mensch mit Tarnmantel.
[2] Hoffentlich bekommt Herr Loeb dafür einen kleinen Bonus von Apple.

Montag, 7. Mai 2012

DIE NACHT IST NICHT ALLEIN ZUM BRANDSCHATZEN DA

Rezension




Günter Krieger (2012) „Gertrudisnacht“, erschienen im Dryas Verlag Frankfurt/Main
ISBN 978-3-949855-27-5
Preis 13,80 Euro

In der Nacht vom 16. zum 17. März des Jahres 1278 fiel der Graf Wilhelm von Jühlich (1210 – 1278) in Begleitung seiner beiden Söhne in Aachen ein, um in der Stadt für den deutschen König Rudolf I. von Habsburg (1218 – 1291) fällige Steuern einzutreiben. Die Stadt aber leistete Wiederstand und trieb den Grafen und seine Gefolgschaft hinaus. Dabei wurden der Graf und seine Söhne erschlagen – entweder von dem durch eine Sage berühmt gewordenen wehrhaften Schmied oder durch mehrere Metzger. So genau weiß man das nicht mehr.
Dieses Ereignis ist nicht mehr als eine Fußnote der Geschichte, dennoch wählte es der Autor Günter Krieger als Vorlage für seinen historischen Roman „Gertrudisnacht“.

Günter Krieger, Jahrgang 1965 und gebürtig aus Langerwehe stammend, ist Verfasser zahlreicher historischer Romane und Mitherausgeber von einer Handvoll Jugendbücher. Mit diesem Wissen im Hinterkopf überrascht es einem umso mehr, daß sein Roman „Gertrudisnacht“ so vollkommen mißlungen ist.

Die Gertrudisnacht selbst, also der Versuch des Grafen von Jühlich, Aachen zu plündern, spielt nur eine Nebenrolle in diesem Buch. Erst auf den letzten 50 Seiten ist man endlich in Aachen angekommen. Man – das sind in diesem Falle eine ganze Handvoll Leute, die auf mehr oder weniger verschlungenen Pfaden ihren Weg in die freie Reichsstatt finden. Und diese Leute sind ganz unterschiedlicher Herkunft.
Da wäre zum Beispiel Rupert, der umtriebige und triebgesteuerte Reliquienhändler, der der Inquisition in die Hände fällt, weil er Schweineborst als Barthaare des Teufels verkaufen wollte. Er hangelt sich von Stadt zu Stadt und von Bett zu Bett, und am Ende wird er natürlich gerettet und findet seine große Liebe.
Ruperts große Liebe – das ist Irma. Irma hat auch so einiges durch. Zuerst muß sie erleben, wie bei einer Brandschatzung ihr erster Liebhaber vor ihren Augen erschlagen wird. Sie kann fliehen, findet einige Tage in einem Kloster Unterschlupf. Als sie weiter wandert, natürlich will sie nach Aachen, fällt sie unter die Räuber und verliebt sich in Armin, einen der Wegelagerer. Wie es das Schicksal so will, wird auch Armin vor ihren Augen erschlagen. Doch das ist am Ende gar nicht mehr so tragisch, denn Rupert ist ja Armins Zwillingsbruder, und der – so hofft der mitfühlende Leser – darf hoffentlich noch ein paar Jahre leben.
Und dann ist da noch Bernhardt, ein Novize, der wegen zwanghafter Onanie aus dem Kloster geworfen wurde. Aber Bernhardt lernt, sich zu beherrschen und immer genau dann nicht zu Stelle zu sein, wenn er gebraucht wird.

Überhaupt geht es in dem Buch ganz gut zur Sache. Jeder ist ständig irgendwie mit der körperlichen Liebe befasst: sei es nun allein (Mönch Bernhardt) oder im Schweinestall (Mönch Bernhardt) oder mit der Tochter des Metzgers (Rupert) oder der Tochter des Rabbis (Rupert) oder der Tochter des Apothekers (Rupert) oder mit Irma (diverse Soldaten, Mönch Bernhardt, Rupert) oder mit Rupert (Irma, Tochter des Apothekers, Tochter des Rabbis, möglicherweise auch Mönch Bernhardt). So wundert man sich, daß die Handlung überhaupt irgendwie voran geht.
Aber wie gesagt: Handlung ist nicht viel. Nur irgendwelche zufälligen Ereignisse wurden von Autor so zusammengestrickt, das am Ende alles in Aachen zusammenläuft.

Dabei legt der Autor eine bemerkenswerte Blindheit gegenüber den Mechanismen des menschlichen Seelenlebens an den Tag. Oder er hat all seine Figuren als Borderliner angelegt.

Das Buch liest sich sehr mühsam. Die Sprache will altertümlich sein, aber es gelingt ihr nicht. Immer wieder bricht ein plattes Alltagsdeutsch durch und zerstört den letzten Rest von Ästhetik, den das Buch vielleicht noch hätte haben können.
Nun, man könnte über das Buch herzlich lachen, wenn seine Verfehlungen nicht so ernste Folgen hätten. Es wird nämlich hier Geschichte verfälscht dargestellt und ein völlig verfehltes Bild des Mittelalters geliefert. Ein Bild, wie es selbst für Mittelaltermärkte nicht zu ertragen wäre.

Daß es mit dem Buch nicht weit her sein kann, verrät schon das Titelbild. Da sitzt eine schlecht geschminkte, blonde Dorfschranze da in einem Kleid, das mittelalterlich sein soll und ihr mindestens drei Nummern zu groß ist, und schaut lustlos und fast schon ein wenig angewidert in dem Leser entgegen.
Nein, das ist kein gutes Buch. Es ist noch nicht einmal eine unterhaltsame Lektüre. Es ist ein Buch, das sich dahinschleppt wie ein endloses Vorspiel, und der Höhepunkt bleibt aus. Trotz all der sexuellen Eskapaden, in denen sich die Protagonisten ergehen – am Ende ist es nur ein Coitus Interruptus[1].
Und der wehrhafte Schmied, der ja angeblich so eine große Rolle in jener blutigen Nacht spielte, er ist nur ein Schatten. Er hätte einer der Protagonisten sein müssen. Und sei es auch nur als eine Gruppe von Metzgern.
Der Autor hat versagt. Er hat sein Ziel nicht erreicht. Der Leser erfährt nichts über diese Gertrudisnacht. Er erfährt auch nicht, warum das so ein besonderes Ereignis hätte sein können. Und es wird ihm noch nicht einmal das Vergnügen gegönnt, sich selbst bei der Lektüre in die Welt des Mittelalters hineinzuversetzen.

Es verwundert doch sehr, daß ein Verlag ein solches Buch tatsächlich publiziert. Ebenso verwundert es, daß es sogar in der Reihe Edition Quo Vadis erschienen ist. Der Autorenkreis Quo Vadis hat sich die Förderung des Historischen Romanes auf die Fahnen geschrieben. Warum er diesen Roman förderungswürdig erachtete, läßt sich allerdings schwer nachvollziehen.

Auf der Rückseite des Buches ist zu lesen, daß 50 Cent von jedem verkauften Buch als Spende an den Verein zur Restaurierung des Aachener Domes fließen:
Vorschlag der Rezensentin: Spenden Sie dem Aachener Verein lieber 5 Euro und geben Sie den Rest für einen schönen Roman von Robert Schneider oder Viola Alvarez aus.


Der Verlag: http://www.dryas.de/ 


Blogg dein Buch: http://www.bloggdeinbuch.de/








[1] Die Rezensentin entschuldigt sich für die genitalen Vergleiche, aber sie nimmt damit nur den Duktus des Buches auf.

Donnerstag, 29. März 2012

MOZART UND KEIN ENDE (Rezension)


Matt Beyon Rees „Mozarts letzte Arie“ Roman – aus dem Englischen von Klaus Modicke
erschienen bei C.H. Beck oHG, München 2012
ISBN 978-3-406-62994-5
Preis 17,95 Euro


Wolfgang Amadeus Mozart ist einer der bekanntesten und meist gespielten Komponisten unserer Zeit. Zu Lebzeiten galt er erst als Wunderkind, später mußte er sich mehr schlecht und recht als einer der ersten freischaffenden Musiker durchs Leben schlagen. Er starb jung und hinterließ seiner Witwe neben zahlreichen Manuskripten einen enormen Schuldenberg. Viele Künstler sterben in jungen Jahren. Und das hinterläßt immer eine gewisse Unzufriedenheit, verbunden mit dem Gefühl: Da kann doch irgendwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Viele dieser Jungverstorbenen wurden posthum in ein Mordkomplott verwickelt, das mal mehr, mal weniger plausibel erscheint. Namen fallen in dieser Liste wie Heinrich Heine, Friedrich Schiller, Oscar Wilde, Ludwig II. von Bayern oder Marilyn Monroe.
Natürlich ranken sich solche Geschichten auch um W. A. Mozart.
Der Dramatiker Sir. Peter Shaffer verdächtigte seinerzeit Antonio Salieri, und Milos Forman setzte dessen Theaterstück in seinem grandiosen und achtfach Oscar-gekrönten Spielfilm „Amadeus“ ein filmisches Denkmal.
Auch Matt Beynon Rees nimmt sich in seinem Roman „Mozarts letzte Arie“ dieses Stoffes an. Er dichtet um Mozarts Ableben eine Verschwörung, die zwischen Freimaurerei, Revolutionsgebaren, Staatsstreich und Hochverrat hin und her schwankt. Er zieht also alle Register. Allerdings wird er sich auf einer Verfilmung durch Milos Forman eine Weile warten müssen.
Kurz zur Handlung: Die Geschichte beginnt im Jahre 1792 – eine Woche nach Mozarts Tod. Maria Anna Walburga Igantia Berchthold von Sonneburg, geb. Mozart und genannt „Nannerl“ erhält einen Brief ihre Schwägerin Constanze, der sie über das Hinscheiden ihres Bruders Wolfgang informiert. Nannerl ist entsetzt. Der Brief ist wirr und ein wenig überdramatisch. Constanze schreibt von finsteren Ahnungen, die die letzten Lebenstage ihres Ehemannes umwoben hätten. Sogar von einem Mord durch Gift ist die Rede. Nannerl faßt einen schnellen Entschluß: Natürlich muß sie sofort nach Wien reisen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Grund ist ihr schlechtes Gewissen. Seit dem Tod ihres Vaters Leopold, der sie zur Alleinerbin und zu einer wohlhabenden Frau gemacht hat, hat sie mit ihrem Bruder kein Wort mehr gewechselt. Und nun ist er nicht mehr.
In Wien angekommen, absolviert sie zunächst den Antrittsbesuch bei ihrer Schwägerin, und dann trifft sie alles, was Rang und Namen hat. Als sie bei Emmanuel Schikaneder zu Mittag ist, trifft sie auf den verwirrten Schauspieler Franz Gieseke, der etwas von Freimaurerei schwafelt. Nannerl hat da bereits herausgefunden, daß ihr Bruder eine eigene Loge – „Die Grotte“ – gründen wollte. Sie trifft später auf Magdalena Hofdemel, die am Tag von Mozarts Beisetzung von ihrem Mann verstümmelt wurde, bevor dieser sich mit einem Rasiermesser selbst die Halsschlagader durchtrennte. Nach einem Treffen mit dem charismatischen Baron von Swieten, der noch ein ganz anderes Interesse an Nannerls Person hat, wird die Heldin beinahe zum Opfer eines Unfalls. Bei einer Aufführung der „Zauberflöte“, um die sich viele der Geheimnisse ranken, wird Gieseke ermordet, nachdem er vor Nannerl und van Swieten bekannte, daß er Mozarts Mörder kenne.
Natürlich wird der Mörder entlarvt. Dazu spielen Nannerl und van Swieten, nachdem sie einander sehr nahe gekommen sind, eine kleine Scharade vor dem Kaiser. Nannerl verkleidet sich als ihr Bruder, und man inszeniert eine Szene aus Don Giovanni – den Besuch des steinernen Gastes.
Wenn man das Buch nach beendeter Lektüre weglegt, befällt einen das unangenehme Gefühl, daß dies doch ein wenig zu viel des Guten war. Alle möglichen Verschwörungstheorien werden zitiert. Mozarts mysteriöse Reise nach Berlin. Der Preußen-König als Freimaurer, der die österreichische Monarchie unterwandern will. Polizei und Zensur. Auftritte in der Unterwelt. Nannerl, die noch immer die große und unübertreffliche Pianistin ist und gleich am Tag nach ihrer Ankunft ihn Wien vor erlesenstem Publikum konzertiert. Sogar Maestro Salieri darf sich eines Gastauftrittes erfreuen.
Aber das Ende bleibt dunkel. Und dem Leser werden die Antworten, die er erhofft, vorenthalten.
Natürlich. Rees schreibt keine historischen Tatsachen. Die historischen Figuren sind ihm nur Schablonen. Spielfiguren, aus denen er seine eigene Geschichte zusammenfasst. Nannerl war nie in Wien, und sie hat auch nie ihren Ehemann Johann Berchthold von Sonnenburg mit Baron van Swieten betrogen. Mozart kam nicht mehr dazu, seine Loge „Die Grotte“ zu gründen, deren Besonderheit nach Rees’ Auffassung darin bestand, daß auch Frauen der Zutritt gewährt werden sollte. Zeuge ist für ihn die Prinzessin Pamina.
Aber sei es drum.
Der Roman „Mozarts letzte Arie“ ist eine seichte und unterhaltsame Lektüre. Obwohl Milos Forman die Zeitreise in Mozarts Wien besser gelungen ist.
Literarisch hat der Roman nichts zu bieten, was ihn zu etwas Besonderen machen würde. Und mit 17,95 Euro ist der Preis für ein Taschenbuch unangemessen hoch.
Aber wer weiß.... Vielleicht kommt ja ein Sammler von Mozart-Devotionalien auf seine Kosten.












Mittwoch, 8. Februar 2012

ORTE JENSEITS DER ZEIT - Paul Coelhos neuer Roman "Aleph"


Rezension zu Paul Coelhos Roman „Aleph“
von Ilka Lohmann

Coelho, Paul (2012) Aleph, Roman (aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann)
erschienen bei Diogenes Verlag AG, Zürich, Preis 19,90 Euro
ISBN: 978-3-257-06810-8


Hin und wieder erlebt man im Leben Augenblicke der Stagnation, die plötzlich und unerwartet auftreten, angekündigt durch nichts. Ob es ein Wechsel des Windes ist oder eine veränderte Hochdrucklage. Vielleicht hat die Sonne auch nur zu lange oder zu selten geschienen. Man wacht mit einem Male auf und ist unzufrieden und fragt sich, warum. Dieses Warum – es kommt daher, weil ja alles in Ordnung ist. Man hat ein gutes, geruhsames Leben, in Beruf und Partnerschaft läuft es. Gesundheitlich kann man sich auch nicht beklagen.
Wenn da nur nicht die kleine Stimme wäre, die immer und immer wieder fragt: Wozu nützt dir das alles? Was hast du aus deinem Leben gemacht?

So ergeht es dem Ich-Erzähler in Paul Coelhos Roman „Aleph“, der möglicherweise mit dem Autor identisch ist. Er ist ein international erfolgreicher Schriftsteller, hat finanziell ausgesorgt, kann sich künstlerisch und kreativ verwirklichen, führt seit 25 Jahren eine gute Ehe. Und dennoch macht er sich Sorgen.
Da bekommt er Besuch von J., seinem spirituellen Lehrer, der zu ihm sagt: „Laß dich auf eine Reise ein.“
Und der Erzähler tut es.
Er begibt sich auf eine weltweite Lesereise, die ihn am Ende nach Asien führt, die ihn mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok bringen soll. Und auf dieser Reise lernt er Hilal kennen. Hilal ist eine Künstlerin, eine junge Frau Anfang 20, und stammt aus Jekaterinburg, wo sie im Philharmonischen Orchester die Erste spielt. Auch sie könnte zufrieden sein, ist es aber nicht. Gleich zu Beginn berichtet sie davon, wie sie als Kind Opfer eines sexuellen Missbrauches wurde. Der Täter war ein Nachbar. Seitdem ist sie gefangen in einem Käfig aus Scham und Schuld, der sie hat unfähig werden lassen, normale Beziehungen einzugehen, unfähig, der Liebe es eines Mannes und einem Mann mit Liebe zu begegnen. Aber sie fühlt zu dem Erzähler eine tiefe Verbundenheit. Sie kennt seine Bücher, und sie ist nur nach Moskau gekommen, um ihn zu treffen.
Sie sagt, sie kenne sein Problem und sie könne ihm helfen. Sie sei gekommen, ein Feuer für ihn zu entzünden.
Sie will den Erzähler auf seiner Reise nach Wladiwostok begleiten, und er, überwältigt von ihrer Zielstrebigkeit, ihrem Durchsetzungsvermögen und ihrer Kraft, stimmt schließlich zu.
Auf dieser Fahrt geschieht etwas. Sie gehen im Zug den Gang neben den Abteilen entlang, halten zufällig an einer Stelle inne, und da passiert es: Der Erzähler hat eine Vision. Er sieht die Vergangenheit, das Zeitalter der Inquisition, und er erlebt einen Inquisitor, der einen Brief schreibt. Er sieht auch die junge Frau, die ihn an über die Zeitalter hinweg, durch die Jahrhunderte hindurch, anklagend anschaut.
Es ist die Vision aus einem früheren Leben. Damals haben die beiden einander schon gekannt, und er hat ihr einen unglaublichen Schmerz zugefügt.
Das ist das Rätsel, das er lösen muß, damit sie beide, er und Hilal, Frieden finden.
In einer Kirche von Jekaterinburg bringt er sie dazu, ihm zu vergeben. Aber erst später er fährt er die volle Tragweite dessen, was geschehen ist.
Der Erzähler erfährt, daß er an der jungen Frau vor Jahrhunderten ein Verbrechen begangen hat, das so furchtbar ist, daß viele Leben vergehen mußten, um es zu sühnen.
Doch beide wagen es.
Und sie gewinnen.

„Aleph“, der neueste Roman des brasilianischen Erfolgsautors Paul Coelho, ist ein sehr besonderes Buch. Selten werden Texte wie dieser veröffentlicht. Es ist ein Buch über Magie und Mystik, das sich aber nicht vom Leben verabschiedet, sondern sich verortet in der Wirklichkeit, ohne dabei die andere Wirklichkeit zu verleugnen.
Das Aleph ist ein Punkt jenseits von Raum und Zeit, ein Ort der Kraft, an dem alle Ströme und Mächte zusammen fließen. Es ist der Ort, der es Hilal und dem Erzähler ermöglicht, über sich hinaus zu treten. Es ist ein Ort, der jedem von uns begegnen kann. Ein Ort, der uns lehrt, daß wir nicht nur dieses eine Leben sind, das uns oftmals so klein und unbedeutend dünkt.
Kein Leben ist unbedeutend, das sagt Coelho uns in diesem Roman, denn jedes Leben ist einzigartig und endlos. Jedes Leben ist so allumfassend wie das Universum selbst. Und die Weisheit, es zu bestehen und nicht zu vergeuden, ist für jeden von uns erreichbar, wenn wir es nur wagen, die Hand danach auszustrecken.

Auch literarisch erfüllt dieser Roman höchste Ansprüche. Die Sprache ist schlicht  und poetisch zugleich. Und so voll und reich ist der Text an Weisheit und Geschichten, Gleichnissen und Belehrungen, das man ihn ohne Ende zitieren möchte.
Es ist ein gutes Buch für unsere Zeit, die sachlich geworden ist, so konkret, die sich so sehr dem Wunderbaren entfremdet hat.
Dieses Buch soll all jenen ans Herz gelegt werden, die erfüllt sind von der Spirituellen Sehnsucht nach dem Sinn und nach einer Wirklichkeit, die größer als wir alle ist. Denn in diesem Roman macht Coelho uns Hoffnung.
Er macht uns Hoffnung darauf, daß wir sehen können und wissen werden, wenn wir es nur wollen, und wenn es Zeit ist.





Freitag, 3. Februar 2012

Manchmal denk ich...

Manchmal denk ich, als Atheist hätte ich es leichter.
Aber das ist so ein Gedanke wie "Als Bankkauffrau würde ich mehr Geld verdienen" oder "Als Ärztin würde ich immer eine Arbeitsstelle finden" oder "Als Mann wäre ich wahrscheinlich schwul" oder "Im Mittelalter wäre ich gern ein Kreuzritter gewesen." Einer dieser Gedanken eben, die man manchmal so hat. Wenn man durchspielt, welche anderen Wege das Leben hätte nehmen können.
Aber wenn man es recht bedenkt: Aus mir würde niemals eine Bankkauffrau werden, dafür fehlt mir der Sinn für Zahlen, Renditen und ähnliche Dinge. Und so lobenswert es auch sein mag, BWL zu studieren, es wäre meine Sache nicht. Medizin hatte ich damals tatsächlich erwogen, mich aber letztlich dagegen entschieden. Ich halte mich aus persönlichen Gründen ungern in Krankenhäusern auf, verzichte jetzt aber drauf, mich in Einzelheiten zu ergehen. Wir spielen Dinge eben gern mal im Kopf durch. Das ist Phantasie. Es ist uns Menschen gegeben, Vorstellungen von Dingen, die nicht existent sind, zu haben. Sei es nun von dem Leben als Chirurg oder als Kreuzritter oder Geschichtswissenschaftler im 21. Jahrhundert.
Auf die gleiche Weise stelle ich mir manchmal vor, Atheist zu sein. Mit dieser Vorstellung geht einher, daß ich viele Schwierigkeiten in meinem Leben nicht hätte. Aber, und das ist der Punkt, als Atheist hätte ich eben andere. Denn Schwierigkeiten hat man immer. Eine alte Weisheit.
Auch als Bankkauffrau oder als Jurist oder gar als Mann hätte ich viele Schwierigkeiten nicht, die ich habe.
Aber ich bin nun einmal keine Bankkauffrau, keine Juristin, kein Mann, kein Chirurg, kein mittelalterlicher Kreuzritter - und eben auch keine Atheistin.
Ich hatte in meinem Leben immer wieder die Möglichkeit, meinen Glauben zu verlieren oder einfach ad acta zu legen und mich nicht mehr damit zu befassen. Manchmal habe ich diese Möglichkeiten bedacht, manchmal ignoriert, aber niemals wahr genommen.
Ich bin nun einmal eine Christin - römisch-katholischer Prägung aus eigener Entscheidung. Ich kann mir vorstellen, jemand anders zu sein. Aber am Ende ich bin ich. So wie jeder andere er selbst ist - als Gläubiger oder Atheist, als Chirurg oder Bankkauffrau, als Schriftsteller oder als Astronaut, als Tankwart oder Astrophysiker.
Und weil wir das sind, was wir sind - als Folge unserer Persönlichkeit, unserer Geschichte, unserer Neigungen, unserer Erziehung, der Welt, in der wir aufgewachsen sind - sollen wir jeden eben das sein lassen, was er ist, weil er es nicht ohne Grund ist.
Manchmal denke ich, als Atheist hätte ich es leichter. Aber dann entdecke ich, daß das nicht stimmt. Es wäre einfach nur ein anderes Leben, das ich führen würde. Nicht leichter oder schwerer als mein eigenes.
Und wenn es mit freundlichen Augen betrachtet, ist es in Ordnung, so wie es ist.